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Ein Wunder in der Rauhnacht

Aufatmend sah Maja den im Dunkeln verschwindenden Rücklichtern der Autos nach. Sie leibte ihre Familie, aber was zu viel war, war zu viel. Die ganzen Weihnachtstage hatte sie damit verbracht zu kochen, zu backen, den Tisch zu decken und wieder abzuräumen. Im Nachhinein kam es ihr vor, als hätte sie eine ganze Horde hungriger Mäuler verköstigt. Drei erwachsene Kinder mit Partnern und insgesamt sieben Enkelkindern waren immerhin dreizehn Personen. Und jeder davon hatte Eigenarten und Vorlieben, die berücksichtigt werden wollten. Das ging von A wie Allergie gegen Nüsse bis hin zu Z wie Zöliakie, der Unverträglichkeit gegen Gluten, von der sie bis dato noch nie etwas gehört hatte. Eines ihrer Enkelkinder mochte keinen Fisch, ein anderer wollte nur Bärchenwurst. Der Lebensgefährte ihrer ältesten Tochter trank keinen Alkohol. Was ja nicht das Schlechteste war, wie sich Maja eingestand. Der Mann der jüngsten Tochter verschmähte Saft und Wasser aus Plasteflaschen. Dazu kamen noch diverse Abneigungen der einzelnen Gäste gegen Kuhmilch, Spinat, gekochte Eier, Ingwer und Knoblauch. Zum Glück hatte sie all diese Informationen schon im Vorfeld erhalten und entsprechend eingekauft. Natürlich wieder einmal viel zu viel von allem.
»Was mache ich nun mit dem ganzen Zeugs?«, fragte sie Bosco, ihren Labradormischling, der schwanzwedelnd neben ihr stand. Täuschte sie sich oder sah er auch erleichtert aus? Als Antwort ertönte ein lautes, vorwurfsvolles »Miau« aus dem Gebüsch neben dem Gartentor. Lotti, die schwarzweiße Katze, hatte sich in den letzten Tagen ziemlich rar gemacht. Ihr war der Trubel im Haus wohl auch zu viel gewesen.
Vorsichtig lugte sie aus ihrem Versteck. Als sie bemerkte, dass weit und breit nur noch ihr Frauchen und der Hund zu sehen waren, kam sie mit hocherhobenen Schwaz auf beide zu. Bosco wedelte zu Begrüßung noch heftiger mit der Rute. Die Tiere mochten sich, obwohl sie beide Findelkinder waren und sich erst in Majas Haus kennengelernt hatten. Die Frau beugte sich herunter, um der Katze über den Kopf zu streichen. Dann forderte sie ihre tierischen Mitbewohner auf, mit ins Haus zu kommen, denn ihr war inzwischen kalt geworden. Aufseufzend schloss sie die Tür hinter sich. Es würde einige Zeit dauern, bis ihre gewohnte Ordnung wieder hergestellt war. Warum dachten ihre Kinder nur, dass sie ohne einen mehrtägigen Dauerbesuch aller Familienmitglieder die Feiertage in Trauer und Trübsal verbringen würde? Maja schüttelte den Kopf. Als ob sie je großen Wert auf diesen ganzen Weihnachtsrummel gelegt hätte. Wie in jedem Jahr hatte man sie auch diesmal mit in die Kirche zum Gottesdienst geschleppt. Das war ja nun gar nicht ihr Ding. Vor allem ihre mittlere Tochter hatte nicht locker gelassen. Dabei war niemand aus ihrer Familie besonders gläubig. Als die Kinder noch klein waren, drehte sich natürlich alles um die Weihnachtsgeschichte, die gängigen Lieder und alles, was so der übliche Brauch war. Seit das Ganze jedoch immer kommerzieller aufgezogen wurde und es schon im September die ersten Schokoladenweihnachtsmänner zu kaufen gab, erinnerte sich Maja viel lieber an die Geschichten ihrer eigenen Großmutter. Die war zu Lebzeiten so etwas wie eine »weise Frau« gewesen und hatte ihr viel von den heidnischen Bräuchen erzählt, die man im Dorf heimlich noch pflegte. Inzwischen wusste kaum noch jemand etwas darüber. Das war doch ziemlich schade, fand sie. Weil ihr gerade in der Vorweihnachtszeit die alten Erzählungen immer wieder eingefallen waren, hatte sie sich zu einem kostenlosen Kurs im Internet angemeldet, der sich mit den Raunächten beschäftigte. In den letzten Tagen war Majas Zeit ziemlich knapp bemessen gewesen und so konnte sie nur kurz vor dem Schlafengehen mal einen Blick auf die Tagesaufgaben werfen. Heute würde sie sich nicht beeilen müssen und hätte Muße genug, sich alles noch einmal in Ruhe durchzulesen.
Das Thema für die derzeitige Raunacht lautete »Lasse Wunder in deinem Leben zu«. Irgendwie war Maja enttäuscht. »Wunder zulassen« war ja nun eine blöde Aufforderung, wenn sie einfach nur zu Hause sitzen wollte, um sich von dem vergangenen Stress zu erholen.
Ein lauter Knall ließ sie zusammenfahren. Was war denn das? Ärgerlich lief sie in das Zimmer, aus dem das Geräusch gekommen war. Auf den ersten Blick sah alles wie immer aus, aber dann sah sie die Beschwerung. »Diese kleinen Monster können auch nicht hören!«, brummelte sie vor sich hin. Sie konnte sich noch ganz genau erinnern, dass sie ihren Enkelkindern gesagt hatte, sie sollen die Spieluhr auf dem Schrank nicht anfassen. Das gute Stück stammte noch von ihrer Großmutter und gab schon lange keinen Ton mehr von sich. Wahrscheinlich war die Feder des Spielwerkes gebrochen. Aber weil die Truhe so schön war, hatte Maja es nicht übers Herz gebracht, das Teil zu entsorgen. Und so kam es, dass sie jedes Jahr zur Weihnachtszeit als Deko hervorgeholt wurde. Damit war es jetzt sicher vorbei, denn der hölzerne Korpus war in mehrere Teile zersprungen. Sicher hatte die Katze die Spieluhr versehentlich herunter geworfen, weil die Kinder sie zu nah an den Rand des Regals gestellt hatten, denn Lotti sah mit missbilligendem Blick auf das Debakel herab. Seufzend bückte sich Maja, um die kläglichen Reste aufzuheben. Plötzlich stutzte sie. Zwischen den Holzstückchen befand sich ein kleines, schwarzes Notizbuch. Sie griff danach und schlug es auf. Sie erkannte die Schrift ihrer Großmutter die Schrift etwas verblasst, aber trotzdem noch klar zu erkennen war. Die ersten Sätze bereiteten ihr Mühe, denn die Notizen waren in Sütterlin, der Schreibschrift, die man heute nicht mehr benutzte. Es dauerte eine Weile, bis sie sich an die einzelnen Buchstaben erinnerte. Großmutter hatte sich zu Lebzeiten geweigert anders zu schreiben und wenn sie damals für Maja eine Notiz hinterließ, was nicht selten geschah, so war diese gezwungen die ungewohnten Buchstaben zu entziffern. Je weiter Maja in dem gefundenen Buch kam, desto einfacher fiel ihr das Lesen. Zum Anfang hatten sich manche Worte nur aus dem Sinn erschlossen, doch bald war es so, als wäre sie nicht mit den Jahren aus der Übung gekommen.
Maja vergaß die kaputte Spieluhr, die Anstrengung der letzten Tage und saß auf dem Boden und las. Erst als ihr die Beine einschliefen, humpelte sie zu ihrem Lieblingssessel, um dort weiter zu lesen. Sie konnte es kaum fassen! Das Notizbuch ihrer Großmutter war ein kleines Wunder! Es enthielt Aufzeichnungen über ….

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Vorschau auf „Halbes Haus und ganzes Glück“

Wer mein Buch „Altes Haus und neues Glück“ gelesen hat, der kann sich vielleicht an Alexandras Freundin Katja erinnern. Mein aktuelles Roman-Projekt dreht sich nun um ihr Schicksal.

Wer neugierig darauf ist, der kann schon mal in ein Kapitel der Rohfassung hineinlesen:

6. Kapitel

Zuerst einmal passierte nichts. Katja hörte zwar an den Geräuschen von nebenan, dass die Wohnung nicht mehr leer stand, aber die befürchteten unschönen Szenen blieben aus. Trotzdem konnte sie sich nicht wirklich entspannen (anderes Wort?) und fühlte sich wie ein gespannter Bogen.
Allerdings fand sie es recht seltsam, dass der Maler scheinbar allein nach Kuhfahl gekommen war. Der dicke Mercedes stand jedenfalls nicht vor dem Haus. War die garstige Carsta allein nach Hamburg zurück. Es schien tatsächlich so zu sein, denn sie hörte zwar Musik und das Rücken von Stühlen und klappern von Türen, aber keine Gespräche. Das war wirklich eigenartig. Hatte der Typ denn nichts zu tun? Was war mit seiner Arbeit? Wenn sie Edelgard richtig verstanden hatte, dann war er selbstständig. Welcher Mensch konnte es sich leisten seine Firma eine Woche allein zu lassen und dafür in so einem Nest wie Kuhfahl Urlaub zu machen? Etwas anderes würde es ja nicht sein. Er ging höchstens mal zum Spazierengehen aus dem Haus. Ansonsten blieb er in der Wohnung und schien nichts zu machen. Katja hatte sich gedacht, dass er als Erstes Edelgards Einrichtung entsorgen und die Zimmer neu malern würde. Aber das hätte sie gehört. Obwohl sie die Tasse im Schrank ließ, war sie sicher, dass nebenan nicht renoviert wurde. Die Nachbarwohnung war gemütlich eingerichtet, hatte moderne Geräte und viele Bücher. Aber trotzdem! Edelgard war eine alte Frau gewesen, keinesfalls würde Carsta den gleichen Geschmack besitzen. So wie die sich immer aufführte, wäre das Beste vom besten gerade gut genug für sie. Vielleicht war sie in Hamburg und suchte nach neuen Einrichtungsgegenständen? Aber eigentlich war das halbe Haus viel zu kein für solche verwöhnten Ansprüche! Selbst das ganze Hüttchen würde ihr sicherlich nicht reichen! Die ganze Sache war von vorn bis hinten komisch! So sehr Katja auch überlegte, sie konnte sich keinen Reim darauf machen.
Ob sie es wollte oder nicht, morgens beim Aufstehen und abends beim Nachhausekommen lauschte sie ob sich nebenan etwas tun würde. Der Typ war ein echter Langschläfer. Wenn sie aus dem Haus ging, dann schien er noch fest zu schlafen. Das glich er am Abend dann reichlich aus. Sie lang schon lange im Bett, wenn sei durch die Wand noch immer leise Geräusche und sanfte Musik vernahm. Zum Glück stand er nicht auf Rapp und Hiphop. Beide Sachen waren Katja ein Graus. Die Töne von nebenan klangen irisch, verträumt und harmonisch. Das war genau das Richtige um sie sanft in den Schlaf zu wiegen. Schon nach wenigen Tagen hatte sie sich an diese Nachtmusik gewöhnt und war enttäuscht, wenn sie ausblieb.
Als sie sich eines Abends mit einem Buch auf der Bank hinter ihrem Haus gemütlich machte, hörte sie von nebenan sanftes Stimmengemurmel. Früher einmal war der kleine Garten hinter dem Haus von ihr und Edelgard gemeinsam genutzt worden. Beide Wohnungen hatten einen Hinterausgang der auf eine von Büschen und Blumen umsäumte Wiese führte. Eine der wenigen Veränderungen, die ihre neuen Nachbarn eingeführt hatten, war es, einen dieser hässlichen Trennwände aus dem Baumarkt aufzustellen. Damit war der Rasenplatz sozusagen in zwei Teile zerlegt. Katja tat sich anfangs schwer mit dieser Lösung, musste aber nach dem Zusammenstoß mit Carsta vor sich selbst zugeben, dass sie froh darüber war. Sie hatte absolut keine Lust, in ihrem wohlverdienten Feierabend, wie eine Zielscheibe für die übellaunige Nachbarin im Garten zu sitzen. Das Gemurmel, welches an ihr Ohr drang, war eindeutig männlich. Mit wem mochte der Nachbar wohl sprechen? Ob er telefonierte? Aber so klang es nicht. Dazu war die Tonlage viel zu sanft und leise. Während sie noch grübelte, mit wem er sich unterhielt, lies ein empörtes »Au« sie aufspringen. Im gleichen Moment schoss der Kater unter der Trennwand hindurch und der Kopf ihres Nachbarn erschien oberhalb des Zaunes. »Kleiner, schwarzer Teufel du!«, rief er dem Kater hinterher. Dabei klang er allerdings nicht verärgert, sonder eher belustigt.
Als er sich abwenden wollte, entdeckte er Katja, hinter der, der gescholtene Deckung suchte. »Guten Abend und Entschuldigung, ich wollte nicht stören.« Dann setzte er noch hinzu: »Der Frechdachs hat mich gekratzt. Erst lässt er sich von mir mit leckeren Sachen verwöhnen und dann zeigt er die Krallen! Ist das ihr Tier?«
Katja stand auf und trat etwas näher an den Sichtzaun heran. Im Sitzen zu antworten kam ihr reichlich blöd vor. »Das ist Scheißerchen. Der gehörte mal ihrer Tante Edelgard. Nach ihrem Tod hatte er niemanden, der sich um ihn kümmerte und so ist er bei mir gelandet.« Misstrauisch beäugte sie ihr gegenüber. Der würde doch den Kater nicht für sich beanspruchen? Sie hatte eine Menge Geld für das Tier ausgegeben und außerdem war es ihr echt ans Herz gewachsen. Kampflos würde sie Scheißerchen nicht den Nachbarn überlassen.
Nebenan schien man zu ahnen, was Katja dachte und der Mann hob beschwichtigend die Hände, ohne sich jedoch über den seltsamen Namen zu äußern. »Keine Sorge, ich erhebe keinen Anspruch auf den Schwarzen. Katzen sind sowieso ziemlich eigensinnig in der Wahl ihrer Menschen. Selbst wenn ich wollte, dass er bei mir wohnt, würde es nichts bringen, falls er anderer Meinung ist.« Der Nachbar schwieg und besah sich einen langen Kratzer am linken Arm, der zum Glück nicht stark blutete.
Katja entfuhr ein erschrockenes »Oh«. Da hatte Scheißerchen ja richtig zugelangt! »Es tut mir leid, was er ihnen angetan hat.«, schüttelte sie den Kopf. »So kenne ich ihn gar nicht.« Dann fiel ihr etwas ein: »Haben sie ihn etwa hochgehoben?« Als ihr Gegenüber nickte, war ihr klar, warum das Tier gekratzt hatte. »Scheißerchen ist vor kurzem ziemlich verletzt nach Hause gekommen. Ich musste mehrmals mit ihm nach Pritzwalk in die Tierklinik. Vielleicht hat er gedacht, wenn er hochgehoben wird, dann geht es nochmals los und er bekommt wieder so eine fürchterliche Spritze. Davor hat der alte Raufbold nämlich ziemliche Angst.«
»Ich auch«, grinste der Mann auf der anderen Seite des Zaunes und streckte ihr seine unverletzte rechte Hand entgegen. »Ich bin Georg. Wir hatten einen ziemlich miesen Start. Vielleicht sollten wir noch einmal ganz von vorn anfangen. So von Nachbar zu Nachbarin. Es sieht ja aus, als müssten wir es in der nächsten Zeit miteinander aushalten. Da ist es ganz gut, wenn man sich versteht.« Er grinste noch stärker. »Und so kann man sich auch mal ein Ei oder etwas Salz borgen.«
Irgendwie kommt er doch ganz symphytisch herüber, dachte sich Katja und schlug in die dargebotene Hand ein. »Ich bin Katja. Als Physiotherapeutin bin ich den ganzen Tag unterwegs. Das mit dem Salz und dem Ei klappt also nur am Abend«, grinste sie zurück.
Leider war damit das Gespräch schon zu Ende, denn Georgs Handy klingelte. Er zog es aus der Hosentasche und warf einen Blick darauf, während sich sein Gesicht verfinsterte. Mit einer bedauernden Handbewegung verabschiedete er sich und lief ins Haus, während er ziemlich unwirsch seinen Gesprächspartner begrüßte. Katja hätte zu gern gewusst, ob das die Carsta war. Als sie merkte, dass sie voller Neugierde über den Zaun starrte, musste sie über sich selber den Kopf schütteln. Dieser Georg nahm viel zu viel Raum in ihren Gedanken ein. Nur weil er nett zu Katzen war und einen Musikgeschmack hatte, der ihrem glich, war das noch lange kein Grant für eine gute Nachbarschaft. Und überhaupt, wer sein Leben mit so einer garstigen Frau teilt, bei dem sollte man lieber vorsichtig sein.
Später, als sie im Bett lag, wartete sie vergeblich auf die sanften Klänge der irischen Musik. Kein Ton klang durch die Wand. War Georg ausgegangen? Und wohin ging man denn an einem Abend in Kuhfahl? Hier gab es keine Kneipe und im Gemeindehaus war heute auch nichts los. Das hätte sie ja mitbekommen. In so einem Dorf blieb nicht verborgen. Manches dauerte ein bisschen länger, wie die Geschichte mit dem Bestsellerautor Veller Hunt zeigte, bei dem ihre Freundin Alexandra arbeitete. Aber irgendwann kam alles raus. Ohne sich einzugestehen, dass sie mehr als normal an ihrem Nachbarn interessiert war, schlief Katja ein. Im Traum war sie wieder am Königsgrab. Diesmal aber nicht mit Alexandra, sondern mit Georg und dem Kater. Während sie eine Decke ausbreitete und Schüsseln und Teller für ein Picknick ausbreitete, kam ein großer Kolkrabe herangehüpft. Genau so ein Tier hatte sie damals bei ihrem Ausflug beobachtet. Sie konnte sich noch gut an die klugen schwarzen Augen des Vogels erinnern. Doch dieser hier hatte rote Augen, die böse funkelten. Während der Rabe immer näher kam, schien er zu wachsen und sich zu verändern. Auf einmal war es gar kein Rabe mehr, sondern Carsta, die mit schriller Stimme etwas schrie.
Katja schrak mit klopfenden Herzen aus dem Schlaf und setzte sich im Bett auf. Der Carsta-Rabe war verschwunden. Aber die keifende Stimme blieb. Georgs Verlobte war gekommen.

Hier geht es zur Geschichte von Alexandra auf Amazon.
Nachzulesen in „Altes Haus und neues Glück“. (Gibt es auch auf Thalia, Weltbild und im Buchhandel.)

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Unterwegs

Erinnerungen an den Sommer

Reisebericht: Mein Garten Eden liegt bei Málaga

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Eine Reise zu mir selbst

Warum, so mag man sich fragen, sollte ich nach Andalusien fliegen, wenn ich eine Reise zu mir selbst machen will? Ich bin doch ich, wo immer ich mich auch aufhalte.

Natürlich trifft das zu. Doch wenn ich mich ganz auf mich konzentrieren will, dann ist das zu Hause kaum möglich. Da ist vieles, was mich ablenkt. Das Tagesgeschäft fordert seinen Tribut. Die Familie erwartet Aufmerksamkeit. Ich verfalle unbewusst immer wieder in alte Muster.

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Bin ich in der Fremde, dann ist das anders. Ich bin neugierig. Auf ein anderes Land, fremde Menschen und neue Erfahrungen. Solchen Gefühlen kann ich mich dann ganz hingeben, ohne an den Alltag zu denken. Ein Aufenthalt in der Casa el Morisco ist dafür genau das Richtige. Die üppige Natur auf diesem Fleckchen Erde ist geradezu überwältigend. Es grünt, blüht, duftet und plätschert überall. Dazwischen finden sich immer wieder Plätze, die zum Ausruhen, Meditieren und Besinnen einladen. Mein erster Gedanke war, dass ich mich im Garten Eden befinden müsse. Die freundlichen dienstbaren Geister des Anwesens verstärken diesen Eindruck noch. Nichts muss, alles kann. Was für eine perfekte Voraussetzung, um sich einmal mit sich selbst zu beschäftigen! Wo komme ich her? Wo will ich hin? Wie sieht mein Weg aus?

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Wenn man sich diese Fragen in einer Gruppe stellt, dann ist das Ergebnis verblüffend. Fremde Menschen haben oft einen ganz anderen Blickwinkel. Die Coaches Jasmin und Peter taten ihr Bestes, um uns auf der Reise zu uns selbst, zu begleiten. Trotz der äußeren paradiesischen Zustände führten sie alle Teilnehmer gekonnt an den Rand der Komfortzone. Glaubte ich bis dahin, meine Schwachstellen zu kennen, so musste ich erstaunt feststellen, dass ich so manches Thema bisher vor mich hergeschoben hatte. Trotzdem blieb alles leicht und unverkrampft. Ohne Unbehagen erkannte ich, was zu tun ist, um selbst geschaffene Hindernisse zu überwinden.

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Die Mühelosigkeit, mit der ich Erkenntnisse gewann, die mir bis dahin verborgen waren, verblüffte mich. Die Gruppe, die aus Menschen bestand, die sich zufällig getroffen hatten, wuchs zusammen und wurde mehr als die Summe ihrer einzelnen Mitglieder. Ich habe Menschen getroffen, deren Geschichten mich bewegten. Ich habe Sätze gehört, die mein eigenes Leben spiegelten. Und ich durfte Peter und Jasmin kennenlernen, die mir auf unkonventionelle und besondere Weise zeigten, wo es im Leben lang gehen kann.

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Ich bin dankbar für diese Erfahrung und dafür, dass ich dieses wunderschöne Fleckchen Erde entdecken durfte. Wann immer ich meine Aufzeichnungen und Mitschriften aus dem Seminar zu Hand nehme, dann weiß ich, was ich als Nächstes zu tun habe. Und wenn meine To-do-Liste abgearbeitet ist, dann mache ich mich auf die nächste Reise zu mir selbst. Natürlich wieder mit Jasmin und Peter.

Veröffentlicht auf https://jasmin-schlimm-thierjung.de/

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Unterwegs

Bald ist es wieder so weit

Nein, das wird jetzt keine Weihnachtsgeschichte, sondern mich treibt die Vorfreude auf das kommende Frühjahr dazu, diesen Text aus einem älteren Blog zu kopieren:

Es ist ein Kraut entsprungen …

Als ich vor einigen Jahren, zum ersten Mal meiner Familie verkündete: „Ich gehe ins Kloster“, erntete ich erstaunte Blicke und Kopfschütteln. Inzwischen haben sie sich an diesen Ausspruch gewöhnt, denn sie bekommen ihn öfter zu hören. Er bedeutet nichts weiter, als dass ich wieder einmal einen meiner Lieblingsorte, das Kloster Heiligengrabe bei Wittstock, aufsuche, um einen der dort angebotenen Kurse zu besuchen.

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Diesmal geht es zum Kräuterkurs. Den bietet meine Lieblingskräuterfrau Beate Hohenstein einmal im Jahr auf dem Klostergelände an. Ich versuche sie seit geraumer Zeit zu überreden, sich bei eBay ein „von“ zu ersteigern. Beate von Hohenstein klingt doch einfach umwerfend. Fast wie Hildegard von Bingen. Aber zurück zum Thema. Die Veranstaltung, zu der ich unterwegs bin, nennt sich mit vollem Namen „Wildkräuter-Wochenendseminar“ und ich freue mich schon sehr darauf.

Am Freitag den 25.05.2018 reisen insgesamt elf Damen und ein Herr in Heiligengrabe an, um gemeinsam ein Wochenende zu verbringen. Die meisten davon, so auch die Chefin des Ganzen, stammen aus Berlin. Hier aus der Gegend kommen nur zwei. Und ich bin die Einzige, die jeden Abend nach Hause fährt. Das lässt sich leider aus organisatorischen Gründen nicht ändern, obwohl ich es sehr schade finde. Die anderen Teilnehmer sind auf dem Klostergelände in schnuckligen, kleinen Zimmern untergebracht.

Wie fast immer, bei solchen Veranstaltungen, überwiegt der Frauenanteil. Irgendwie kann ich das nicht verstehen, weil ja die „Großen“ der Zunft, abgesehen von Hildegard, ja alles Männer sind. Denken wir nur an Paracelsus oder an Wolf-Dieter Storl. (Ich hoffe, der Letztere freut sich, wenn ich ihn in einem Satz mit dem Altmeister nenne.) Hin wie her, wir haben ja wenigstens einen Mann unter uns und machen uns miteinander bekannt.

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Das fällt uns leicht, denn Beate empfängt uns mit einem toll gedeckten Tisch und strahlendem Lächeln im Wulfenhaus, einem Gästehaus mit Küche, das zur Klosteranlage gehört. Dabei klang sie vor einigen Stunden noch ganz anders. Recht aufgelöst, berichtete sie mir am Telefon, dass man das Grün auf dem gesamten Klostergelände vor einiger Zeit ordentlich gemäht hätte. Und weil es seit diesen Tagen nicht mehr geregnet habe, sei kaum etwas nachgewachsen. Als ich sie beruhigend auf das Gelände rund um die Teiche hinweisen wollte, konnte sie auch nur mit Hiobsbotschaften aufwarten. Die versandeten Teiche werden gerade renaturiert. Das ist im Prinzip eine gute Sache. Allerdings haben die Baumaßnahmen die Vegetation im Uferbereich arg in Mitleidenschaft gezogen. Da blieb nichts übrig, was man hätte sammeln können.

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Das sind keine besonders guten Voraussetzungen für ein Wildkräuterwochenende. Als wir uns dann etwas später gemeinsam die Lage ansehen, war es doch nicht ganz so schlimm, wie auf den ersten Blick befürchtet. Es fanden sich doch noch einige Ecken, an denen wir fündig werden würden.

Nach der obligatorischen Vorstellungsrunde setzen wir uns und genießen die Köstlichkeiten, die Beate für uns vorbereitet hat. Es gibt jede Menge gesundes Zeugs. Das meiste davon ist selbstgemacht und natürlich vegetarisch. Ich bin fasziniert. Die Arme muss tagelang zuvor in der Küche gestanden haben, um alles vorzubereiten. Knäckebrot, zwei verschiedene Arten eines Möhren-Tomaten-Aufstrichs (exotisch und mediterran), falsche Leberwurst aus Eichelmehl, Nusshonig und weitere leckere Sachen. Ich koste von allem, finde es total lecker und beschließe, dass ich sie überreden werde, ein Kochbuch zu schreiben.

Während wir noch eifrig beim Essen sind und alles mit aromatisiertem Wasser oder Tee aus frisch gesammelten Kräutern herunterspülen, gibt es die erste Planänderung. Das Kloster hat uns zum Gottesdienst eingeladen und bis auf den freiwilligen Spüldienst, nehmen alle daran teil. Danach werden, wie vorgesehen, organisatorische Dinge besprochen, die Skripte mit den Rezepten ausgeteilt und schon eilen die Kulturbegeisterten unter uns zur nächsten Veranstaltung. In der wunderschönen Kapelle des Klosters wird ein „Frühlingsabend mit sechs Frauengeschichten“ angeboten. Ich ärgere mich, dass ich mich nicht vorher darüber informiert habe und nicht daran teilnehmen kann. „Da berühren sich Himmel und Erde – Biblische Erzählungen und Musik“ klingt echt spannend. Aber so ist das Leben. Man kann nicht auf allen Hochzeiten tanzen.

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Am Samstag den 26.05.2018 trudle ich als letzte in der Küche des Wulfenhauses ein. Die anderen Teilnehmer begrüßen den Tag schon mit warmen Ingwerwasser und angeregten Gesprächen. Obwohl es erst 7:30 Uhr ist, wundere ich mich nicht darüber. Schließlich kenne ich die heilsame Wirkung, die dieses Kloster auf die Menschen hat, die es aufsuchen. Auf meine Nachfrage bestätigen auch alle, dass sie wunderbar geschlafen haben. Und so ergibt ein Wort das andere. Wir erzählen, tauschen uns aus und kommen gar nicht so richtig „aus dem Knick“, wie man das so nennt. Dabei wollen wir doch laut Plan erst eine Runde Qigong zum Morgen machen, dann Kräuter fürs Frühstück sammeln und diese auch noch vor der ersten Tagesmahlzeit verarbeiten. Aber Entspannung geht vor, sagen wir uns. Als wir endlich losschlendern hat es niemand besonders eilig. Das ist mir Recht, denn ich werde das Qigong anleiten und da ist Hektik nicht von Nutzen.

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Wir üben barfuß, unter einem Kirschbaum auf der Wiese zwischen Hauptgebäude und Kräutergarten. Dabei wundern wir uns, dass sich die Kirschen schon rot färben. In diesem Jahr ist alles recht zeitig und die Sonne versucht ihr Bestes, um einen sommerlichen Eindruck zu machen. Nach einer halben Stunde sind wir noch entspannter, nehmen wir unsere Sammelkörbe und bummeln los. Der erste Weg führt uns zu dem von einer Hainbuchenhecke umschlossenen Kräutergarten.

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Es dauert eine ganze Weile, bis Beate all unser Fragen zu den einzelnen Pflanzen beantwortet hat. Die Zeit verrinnt und wir sollten doch langsam mit dem Sammeln beginnen, mahnt die Chefin. Schließlich knurrt der eine oder andere Magen schon bedenklich. Wider Erwarten sind die Körbe schnell gefüllt. So schlimm, wie es auf dem ersten Blick schien, ist die Sache mit dem Mähen doch nicht gewesen. Es gibt noch genug für uns zu pflücken.

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Im Wulfenhaus zurück, verteilen wir die Arbeiten. Kräuter waschen, Obstsalat aus mitgebrachten Früchten machen, Tee kochen, süßen Quark anrühren, Tischdecken. Für jeden findet sich eine Aufgabe. Mir fällt das Kaffeekochen zu. Als geborener Sachse bin ich da natürlich in meinem Element, glaube ich zumindest. Aber dieser Kaffee wird anders. Er bekommt als Zugabe Kardamom und Ingwer. Dann gibt es noch einen Löffel Dinkelkaffe und eine Prise Kaffeegewürz. Die Reaktionen auf die ersten Schlucke sind gespalten. Doch nach und nach überwiegt die Zustimmung. Da bin ich aber froh. Über das tolle Budwig-Müsli und Beates Brotaufstriche sind sich dagegen alle einig. Lecker, klasse und „ist das Rezept dafür auch in unserem Skript?“, lauten die Kommentare. Wenn eine Frühstückszutat darin nicht aufgeführt ist, dann wird einstimmig gefordert, dass wir wissen wollen, was und wie es hergestellt wird. Nebenbei haben wir auch noch eine schwierige Aufgabe zu bewältigen. Wir sollen uns entscheiden, was wir während des Kurses selber fertigen wollen. Am liebsten würden natürlich alle auch alles machen, aber dazu reicht die Zeit nicht. Schweren Herzens müssen wir Abstriche machen. Auf alle Fälle wollen wir ein Massageöl, Gelenksalbe, ein Körperpeeling und natürlich auch Kräutersalz mit nach Hause nehmen.

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Weil das späte Frühstück so lecker ist und wir zudem so viele Fragen an Beate haben, ziehen wir erst am sehr vorgeschrittenen Vormittag los, um die Kräuter für unser Mittagessen und die diversen Vorhaben zu sammeln. Es soll Spinat aus Brennnesseln und Giersch geben. Wir verlassen das Klostergelände und schlendern ein Stück auf dem Annenpfad, der das Kloster Heiligengrabe mit den Kirchen in Bölzke und Alt Krüssow verbindet, entlang. Natürlich wachsen am Wegesrand diverse Kräuter und Beate muss tausend Fragen nach Namen und Verwendung beantworten. Das tut sie mit einer Engelsgeduld und einem immensen Wissen. Es ist total interessant, aber wirklich vorwärts, kommen wir auf diese Art nicht. Als wir uns dann im Wald über die Erfahrungen beim Waschen mit Efeu austauschen, tut mir unser einziges männliches Teammitglied doch schon etwas leid. Ich glaube nicht, dass ihm dieses Thema liegt. Außerdem ist es weit über Mittag und wir haben immer noch nicht besonders viel in unseren Körbchen. Irgendwann sehen wir das ein, und beginnen endlich mit dem Sammeln. Bei so vielen Händen kommt die erforderliche Menge schnell zusammen und wir wandern frohgemut zurück.

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Der Zeitplan ist uns inzwischen völlig egal, denn niemand will sich unter Druck setzen. Wir beginnen mit den Vorbereitungen für die Eigenkreationen und das Mittagessen, das wohl eher ein Brunch werden wird. Wie vorher werden die Aufgaben ohne Zeigefinger aufgeteilt und alle suchen sich eine nützliche Beschäftigung. Am großen Küchentisch zupfen wir dann tapfer die Blätter von den Brennnesseln. Den Giersch vorzubereiten ist längst nicht so schmerzhaft. Aber was soll es, auch diese Arbeit ist irgendwann getan, auch wenn kurz vor Schluss noch ein weiterer Korb mit Nesseln auftaucht. Kartoffeln schälen, Rührei machen, den Sud für die Salbe vorbereiten, die Kräuter für das Salz zubereiten – wir sind alle stark beschäftigt. Trotzdem findet man auch Zeit, die von Beate mitgebrachte Literatur durchzublättern, sich Notizen zu machen und Erfahrungen auszutauschen. Unsere Gruppe ist bunt gemischt. Einige sind Neueinsteiger auf dem Kräutergebiet, andere haben schon Erfahrungen damit. Ich finde es immer wieder faszinierend, wie sich Menschen, die sich nicht kennen, durch ihre gemeinsamen Interessen schnell zueinanderfinden.

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Aus unserem Mittag ist tatsächlich ein Brunch geworden. Der Brennnessel-Giersch-Spinat ist nicht jedermanns Sache, aber man kann ihn essen, finden wir. Alles andere ist wie immer total lecker. Satt und zufrieden sitzen wir um den großen Tisch und beschließen, den Zeitplan endgültig zu den Akten zu legen. Stattdessen bereiten wir weiter unsere Mischungen vor. Das Rohmaterial für das Kräutersalz trocknet im Dörrapperat. Abgewaschen muss auch noch werden, denn es gibt keinen Geschirrspülautomat. Bei zwölf Personen kommt einiges zusammen. Und da sind noch nicht einmal die Sachen mitgerechnet, die wir zum Zubereiten unserer Rezepte brauchen. Trotzdem geht alles reibungslos und gelassen über die Bühne. Nach getaner Arbeit hängen wir die Trockentücher in den Dornbusch an der Hausmauer und freuen uns über den Anblick, als hätten wir ein Kunstwerk geschaffen.

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Wer mag, zieht noch einmal mit dem Körbchen los und besorgt dieses und jenes. Das Abendessen lassen wir einstimmig ausfallen, alle sind noch satt. In der Küche wird gewerkelt. Schneiden, Mixen, Rühren, im Wasserdampf erhitzen. Es riecht nach unzähligen Duftölen, mit denen wir unsere Werke verfeinern wollen. Und es sieht ein bisschen aus wie beim Zauberlehrling. Überall stehen Büchsen, Gläser, Tüten mit geheimnisvollem Inhalt herum. Und dann sind da noch Kräuter über Kräuter.

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Manchmal wuseln wir alle durcheinander und stellen gleichzeitig unsere Fragen. Beate behält die Übersicht. Sie erklärt, zeigt und behält die Geduld. Die Zeit vergeht, und nach und nach werden wir müde, unser Arbeitseifer erlahmt. Schlussendlich sitzen alle am Tisch und blättern in ihren Aufzeichnungen. Ich mache mich müde auf den Heimweg und werfe zuvor noch einen Blick in die Runde. Ich glaube nicht, dass hier noch eine Party stattfinden wird. Alle sehen ziemlich geschafft aus.

Am Sonntag den 27.05.2018 bin ich nicht die Letzte, die sich am frühen Morgen, diesmal schon um sieben, in der Küche einfindet. Bei einer Tasse Ingwerwasser erfahre ich, dass am vergangenen Abend tatsächlich keine großen Sprünge mehr gemacht wurden. Aber ein Märchen gab es noch. Beate hat es vorgelesen. Ich ziehe einen Flunsch. Schade, da habe ich wieder was verpasst. Weil heute schon der letzte Tag ist, können wir nicht so bummeln, wie gestern, und ziehen zum Qigong los. Auf unserem Platz unter dem Kirschbaum beginnen wir den Tag wieder mit einigen Übungen. Danach teilen wir uns auf. Einige machen sich auf den Weg zum Kräutersammeln. Andere gehen gleich zum Wulfenhaus, um das Frühstück vorzubereiten. Ich melde mich wieder zum Kaffeekochen. Nachdem er gestern doch noch recht gut angekommen war, freue ich mich schon auf die erste Tasse dieses Wundergetränks.

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Die Sammeltruppe kommt bald zurück und wir alle wuseln durch die Küche, um das Frühstück aufzutischen. Bei vierundzwanzig Händen geht das ziemlich schnell. Bald sitzen wir wieder am Tisch. Es ist lecker wie am Vortag. In unsere muntere Plauderei schleicht sich ab und zu ein bisschen Wehmut ein. Das Ende des Kurses ist leider schon in Sicht. Aber es bleibt keine Zeit, darüber zu jammern, denn die Arbeit ruft. Wir wollen unsere Produkte fertigstellen, das Mittagessen vorbereiten und so ganz nebenbei müssen die Sachen gepackt werden, denn die Heimreise steht an.

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Unsere Küche verwandelt sich wieder in ein Laboratorium, das auch in Hogwards sein könnte. Wäre der Tisch nicht so stabil, würde er sich unter den Gläsern und Flaschen biegen. Nach und nach werden die letzten Vorhaben abgearbeitet. Alle beschriften stolz ihre Gefäße. Wir haben an diesem Wochenende nicht nur viel gelernt, sondern danach auch eine Menge vorzuzeigen. Gleichzeitig laufen die Vorbereitungen zum Mittagessen. Heute gibt es Kartoffeln mit Kräuterquark. Der schmeckt diesmal allen richtig gut.

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Als die Teller leer sind, gibt es noch ein Märchen. Es ist ein bisschen traurig und passt daher gut zu unserer Stimmung. Bei der anschließenden Feedbackrunde kommt natürlich von etlichen Seiten die Zu-kurz-Bemerkung. Aber sonst sind alle zufrieden. Die Mischung aus Neulingen und alten Hasen passte. Selbst unser einziger Mann sagt, dass er sich in der schnatternden Frauenrunde wohl gefühlt hat. Wir tauschen Adressen und Telefonnummern, denn die Ersten müssen schon los. Wer noch geblieben ist, räumt auf und packt zusammen. Ich bestehe währenddessen auf einem Abschiedsschmankerl. Das gab es im letzten Jahr auch, ist mein Argument. Ich liebe die Datteln, die mit Mandelmus gefüllt und einer Walnuss garniert werden. Das Anrichten dieser Leckerei wird unsere letzte gemeinsame Aktion. Na ja, nicht ganz. Wir setzen uns noch einmal an den Tisch und genießen den Naschkram. Dann verabschieden sich die Nächsten. Das Haus leert sich nach und nach. Beate packt nun auch ihre gefühlt tausend Utensilien zusammen. Damit beladen wir ihr Auto. Eine letzte Umarmung, dann mache ich mich auf den Heimweg. Ich seufze ein bisschen, weil es schon vorbei ist, und freue mich doch schon auf das nächste Mal.

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Kurzgeschichte

Der Albtraum

Es passiert schon wieder! Irgendetwas packt mich grob im Genick und wirft mich in eine dunkle Kiste. Der Boden schwankt, denn sie wird hochgehoben und unsanft auf die Ladefläche eines Autos geschleudert. Das Fahrzeug setzt sich in Bewegung. Ich weiß, was jetzt kommen wird und verkrieche mich panisch in einer Ecke der Kiste. Aber das nützt nichts. Auch das weiß ich, aber ich mache es trotzdem. Jedes Mal wieder. Dann halten wir an. Vielleicht hatte ich die Hoffnung, dass die Fahrt ewig dauern könnte. Aber auch das bleibt eine Illusion.

Der Deckel der Kiste öffnet sich und man schüttet mich kopfüber in ein dunkles Loch. Das kenne ich. Hier war ich schon. Und nicht nur einmal. Es riecht nach Angst, Urin und Verzweiflung. Ein Teil des Gestankes ist von mir. Ich kann aber auch die Ausdünstungen eines Anderen erkennen. Ein Leidensgenosse? Es ist sinnlos, sich darüber Gedanken zu machen. Er hat genau so wenige Chancen wie ich, aus diesem Albtraum zu entkommen. Und weil ich weiß, was jetzt passieren wird, kaure ich mich in die hinterste Ecke dieses widerlichen Gefängnisses. Ich will es nicht, aber ich merke wie sich meine Blase entleert. Jetzt sitze ich in meiner eigenen Pfütze. Doch ich habe keine Zeit, mich vor mir selber zu ekeln.

Er kommt! Ich höre meinen Peiniger schnaufen und knurren. Er kann meine Angst riechen und nähert sich mir mit geiferndem Gebrüll. Kurz bevor er seine Zähne in mein Fleisch schlagen kann, stoppt ihn ein Gitter. Das macht ihn noch viel wütender. Ich kann seinen Atem spüren und sein Speichel spritzt mich an. Wenn das Gitter nicht wäre, würde er mich zerreißen! Wie immer habe ich Angst, dass es nicht hält. Mein Herz klopft, als wolle es zerspringen. Voller Panik schließe ich die Augen.

Auf einmal ist alles vorbei. Mein Widersacher scheint sich in Luft aufgelöst zu haben. Nur noch von weiten höre ich sein Protestgeschrei. Man packt mich, stopft mich erneut in die Transportkiste und wir fahren zurück. Dort wirft man mich in meinen altbekannten Käfig und überlässt mich meinen widerstrebenden Gefühlen. Ich weiß, momentan bin ich in Sicherheit. Ich bin gefangen, aber nicht in unmittelbarer Gefahr. Jetzt ist Zeit, dass ich mich ausruhen kann, sagen sie. An ihrem Grinsen erkenne ich, dass sie bald wieder kommen werden, um mich erneut zu holen.

Ich verkrieche mich in der hintersten Ecke meiner Hütte, rolle mich zusammen und versuche zu schlafen. Wenn ich es mir ganz doll wünsche, wache ich vielleicht nie wieder auf, weil mein Herz einfach stehen bleibt.

Auszug aus dem Tagebuch eines Fuchses, der in einer Schliefenanlage zum Abrichten von Hunden benutzt wird.

P.S. Die Schliefenanlage des Pritzwalker Jagdvereins befindet sich in Streckenthin und die Füchse „erholen sich von ihrer Arbeit“ im hiesigen Streichelzoo.

fuchs

Bildquellenangabe: Renate Tröße  / pixelio.de
Gedichte und so

HH – Haiku im Herbst

Mir ist in dieser Woche tatsächlich mal wieder danach Haikus zu schreiben.

Wer noch nie davon gehört hat, hier kommt die Erklärung:

Haiku (jap. 俳句; Plural: Haiku, auch: Haikus) ist eine traditionelle japanische Gedichtform, die heute weltweit verbreitet ist. Das (oder der) Haiku gilt als die kürzeste Gedichtform der Welt.
Zu den bedeutendsten Haiku-Dichtern zählen Matsuo Bashō (1644–1694), Yosa Buson (1716–1783), Kobayashi Issa (1763–1827) und Masaoka Shiki (1867–1902). Bashō erneuerte mit seinen Schülern die Haikai-Dichtung und ermöglichte ihr die Anerkennung als ernsthafte Literatur. Shiki gilt als Begründer des modernen Haiku. Er war es, der den Begriff Haiku prägte (gegenüber dem älteren Haikai oder Hokku).
Japanische Haiku bestehen meistens aus drei Wortgruppen von 5 – 7 – 5 Lauteinheiten (Moren), wobei die Wörter in den Wortgruppen vertikal aneinandergereiht werden. Es gibt jedoch kritische Stimmen über die Verteilung von Silben wie Vicente Haya[1] oder Jaime Lorente[2]. Unverzichtbarer Bestandteil von Haiku sind Konkretheit und der Bezug auf die Gegenwart. Vor allem traditionelle Haiku deuten mit dem Kigo eine Jahreszeit an. Als Wesensmerkmal gelten auch die nicht abgeschlossenen, offenen Texte, die sich erst im Erleben des Lesers vervollständigen. Im Text wird nicht alles gesagt, Gefühle werden nur selten benannt. Sie sollen sich erst durch die aufgeführten konkreten Dinge und den Zusammenhang erschließen.[3]

Quelle: Wikipedia

 
Herbst
 
Hell der Sonnenschein.
Farbenspiel verwirrt den Sinn.
Nichts ist für ewig.
 
 
 
Herbst II
 
Schattenspiel im Grau.
Unsteter Blick gleitet hinweg.
Die Wahrheit verschwimmt. 

 

E-Books & Bücher

Altes Haus und neues Glück

Wer Lesefutter für die grauen Nebeltage und fürs Herz sucht, der findet das garantiert in der überarbeiteten Neuauflage meines Romans „Altes Haus und neues Glück“.

So ganz nebenbei erfährt man noch etwas über einen relativ unbekannten Teil Deutschlands, denn das Buch trägt den Untertitel „Ein Prignitz-Roman“.

Dank der wunderbaren Lektorin Elsa Rieger, dem Beistand von Sibylle Godek, Ilka Hempel, Daggi Geiselmann und den fleißigen Leserinnen der Leserunde von Lovelybooks ist mein vordem etwas holpriger Erstling nun gebügelt, gestärkt und im neuen Gewand  erschienen.

Man bekommt „altes Haus und neues Glück“ als Taschenbuch oder E-Book im Buchhandel und auf allen gängigen Plattformen.

Hier der Link zu Amazonhttps://www.amazon.de/Altes-Haus-neues-Gl%C3%BCck-Prignitz-Roman/dp/3752840463/

Und eine Leseprobe für alle Neugierigen:

Die Haustür fiel mit einem Krachen ins Schloss. Alexandra zuckte zusammen. Sie hörte schnelle, leise Schritte, das Zufallen einer Autotür und dann fuhr er davon.
Er fuhr. Er fuhr! Für immer?
Für immer.
Die plötzliche Stille lastete schwer auf Alexandra. Ihre Knie wurden weich und die Beine begannen zu zittern. Damit sie nicht umfiel, stützte sie sich an der nächstgelegenen Wand ab. Erst nur mit den Händen, dann mit dem Rücken und schließlich rutschte sie langsam in sich zusammen, bis sie auf dem schmutzigen Boden saß.
Ihre Gedanken überschlugen sich und sie murmelte: »Aber das kann er doch nicht machen. Ich habe alles für ihn aufgegeben. Ich habe alle Brücken abgebrochen. Ich wollte noch einmal komplett neu anfangen. Ich habe alles gemacht. Seinetwegen. Nur wegen ihm bin ich überhaupt hier!«
Was sollte sie jetzt tun? Panik überfiel sie, während sie gleichzeitig auf das Brummen eines Autos lauschte. Sicher würde Thomas gleich zurückkommen. Sie stand langsam auf, schlurfte in Richtung Tür und fühlte sich dabei wie eine alte Frau.
»Bloß nicht durchdrehen«, flüsterte sie mit versagender Stimme. Alles würde sich aufklären. Ganz bestimmt. Der Streit war nur ein fürchterliches Missverständnis gewesen. Sie klammerte sich verzweifelt an diese Vorstellung, wenngleich ihre Hoffnung mit jeder Sekunde des Wartens schwand. Die Zeit verrann.
Verlassen und hilflos stand sie da, inmitten von grauen Umzugskartons, bunten Kisten und dem alten Hausrat, der einmal einer gewissen Frau Elsa gehört hatte. Bei dem alten Zeugs stand ein Spiegel und Alexandra schaute zufällig hinein. Sie sah eine kleine, nicht mehr ganz junge Person mit kurzen blonden Haaren. Sie krümmte sich, schlug die Hände vors Gesicht und schüttelte fassungslos den Kopf. In den folgenden Minuten schien sie buchstäblich zu schrumpfen.
Einige der Gespräche, die sie in den letzten Wochen geführt hatte, kamen ihr in den Sinn. Wortfetzen, Satzfragmente aus den Unterhaltungen mit Freundinnen und Bekannten. Fast alle hatten mit verständnisloser Miene gemahnt: Sag hinterher nicht, wir haben dich nicht gewarnt.
Aber wer wollte so was schon hören! Sie jedenfalls nicht.
Und was hatte Thomas Mal für Mal gesagt? »Stell dir vor, wie schön das wird – nur wir zwei – auf dem Land – ich besitze einige Ersparnisse – davon können wir leben.« Alexandras Gegenargumente waren von Anfang an recht schwach gewesen. Dass sie keine Ahnung vom Landleben hätte, dass ihr die Stadt und all das Drumherum fehlen würden. Dass sie beide sich noch nicht so lange kannten. Aber eigentlich spielte das alles keine Rolle. Daher verstummten ihre Einwände mit der Zeit. Die Hauptsache war doch, sie würde mit ihm zusammen sein. Das war ihr lang gehegter Traum! Und der sollte nun endlich Wirklichkeit werden. Ihr Leben war perfekt! Thomas war ihr Seelenverwandter, auf den sie so lange gewartet hatte. Da war es egal, ob man sich Wochen oder Jahre kannte. Er hatte ihre Zweifel bis vor Kurzem einfach weggeküsst und sie in die Arme genommen. Wenn sie verabredet waren, sagte er Alexandra all die Sachen, die sie so gern hörte und ewig nicht mehr gehört hatte. Schon lange hatte sie sich nach einer festen Beziehung gesehnt und war es leid, dass die Zeit verging und kein Mann an ihrer Seite war. Natürlich gab es immer wieder irgendwelche Abenteuer, aber da war nichts für die Dauer darunter gewesen. Sie wollte vertrauen und sich auch einmal fallen lassen. Die Starke und Taffe hatte sie lang genug gespielt. Hatte sie nach außen hin geben müssen. Und das fiel ihr nicht leicht, denn sie sehnte sich danach, sich auch mal an jemanden anlehnen zu dürfen und nach Geborgenheit. Das hatte kaum irgendwer gewusst, denn diese Sehnsucht stak gut verborgen tief in ihr drin.
Bis sie Thomas kennengelernt hatte. Der war genau der Mann, der wusste, wo es langging. Es war einfach himmlisch mit ihm. Er hatte Unternehmungsgeist und Schwung. Für ihn war das ganze Leben ein aufregendes Abenteuer. Das tat ihr gut und sie hatte sich mühelos von seiner Begeisterung anstecken lassen. Und nun war sie hier gelandet.
 
Altes Haus und neues Glück