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Ein Wunder in der Rauhnacht

Aufatmend sah Maja den im Dunkeln verschwindenden Rücklichtern der Autos nach. Sie leibte ihre Familie, aber was zu viel war, war zu viel. Die ganzen Weihnachtstage hatte sie damit verbracht zu kochen, zu backen, den Tisch zu decken und wieder abzuräumen. Im Nachhinein kam es ihr vor, als hätte sie eine ganze Horde hungriger Mäuler verköstigt. Drei erwachsene Kinder mit Partnern und insgesamt sieben Enkelkindern waren immerhin dreizehn Personen. Und jeder davon hatte Eigenarten und Vorlieben, die berücksichtigt werden wollten. Das ging von A wie Allergie gegen Nüsse bis hin zu Z wie Zöliakie, der Unverträglichkeit gegen Gluten, von der sie bis dato noch nie etwas gehört hatte. Eines ihrer Enkelkinder mochte keinen Fisch, ein anderer wollte nur Bärchenwurst. Der Lebensgefährte ihrer ältesten Tochter trank keinen Alkohol. Was ja nicht das Schlechteste war, wie sich Maja eingestand. Der Mann der jüngsten Tochter verschmähte Saft und Wasser aus Plasteflaschen. Dazu kamen noch diverse Abneigungen der einzelnen Gäste gegen Kuhmilch, Spinat, gekochte Eier, Ingwer und Knoblauch. Zum Glück hatte sie all diese Informationen schon im Vorfeld erhalten und entsprechend eingekauft. Natürlich wieder einmal viel zu viel von allem.
»Was mache ich nun mit dem ganzen Zeugs?«, fragte sie Bosco, ihren Labradormischling, der schwanzwedelnd neben ihr stand. Täuschte sie sich oder sah er auch erleichtert aus? Als Antwort ertönte ein lautes, vorwurfsvolles »Miau« aus dem Gebüsch neben dem Gartentor. Lotti, die schwarzweiße Katze, hatte sich in den letzten Tagen ziemlich rar gemacht. Ihr war der Trubel im Haus wohl auch zu viel gewesen.
Vorsichtig lugte sie aus ihrem Versteck. Als sie bemerkte, dass weit und breit nur noch ihr Frauchen und der Hund zu sehen waren, kam sie mit hocherhobenen Schwaz auf beide zu. Bosco wedelte zu Begrüßung noch heftiger mit der Rute. Die Tiere mochten sich, obwohl sie beide Findelkinder waren und sich erst in Majas Haus kennengelernt hatten. Die Frau beugte sich herunter, um der Katze über den Kopf zu streichen. Dann forderte sie ihre tierischen Mitbewohner auf, mit ins Haus zu kommen, denn ihr war inzwischen kalt geworden. Aufseufzend schloss sie die Tür hinter sich. Es würde einige Zeit dauern, bis ihre gewohnte Ordnung wieder hergestellt war. Warum dachten ihre Kinder nur, dass sie ohne einen mehrtägigen Dauerbesuch aller Familienmitglieder die Feiertage in Trauer und Trübsal verbringen würde? Maja schüttelte den Kopf. Als ob sie je großen Wert auf diesen ganzen Weihnachtsrummel gelegt hätte. Wie in jedem Jahr hatte man sie auch diesmal mit in die Kirche zum Gottesdienst geschleppt. Das war ja nun gar nicht ihr Ding. Vor allem ihre mittlere Tochter hatte nicht locker gelassen. Dabei war niemand aus ihrer Familie besonders gläubig. Als die Kinder noch klein waren, drehte sich natürlich alles um die Weihnachtsgeschichte, die gängigen Lieder und alles, was so der übliche Brauch war. Seit das Ganze jedoch immer kommerzieller aufgezogen wurde und es schon im September die ersten Schokoladenweihnachtsmänner zu kaufen gab, erinnerte sich Maja viel lieber an die Geschichten ihrer eigenen Großmutter. Die war zu Lebzeiten so etwas wie eine »weise Frau« gewesen und hatte ihr viel von den heidnischen Bräuchen erzählt, die man im Dorf heimlich noch pflegte. Inzwischen wusste kaum noch jemand etwas darüber. Das war doch ziemlich schade, fand sie. Weil ihr gerade in der Vorweihnachtszeit die alten Erzählungen immer wieder eingefallen waren, hatte sie sich zu einem kostenlosen Kurs im Internet angemeldet, der sich mit den Raunächten beschäftigte. In den letzten Tagen war Majas Zeit ziemlich knapp bemessen gewesen und so konnte sie nur kurz vor dem Schlafengehen mal einen Blick auf die Tagesaufgaben werfen. Heute würde sie sich nicht beeilen müssen und hätte Muße genug, sich alles noch einmal in Ruhe durchzulesen.
Das Thema für die derzeitige Raunacht lautete »Lasse Wunder in deinem Leben zu«. Irgendwie war Maja enttäuscht. »Wunder zulassen« war ja nun eine blöde Aufforderung, wenn sie einfach nur zu Hause sitzen wollte, um sich von dem vergangenen Stress zu erholen.
Ein lauter Knall ließ sie zusammenfahren. Was war denn das? Ärgerlich lief sie in das Zimmer, aus dem das Geräusch gekommen war. Auf den ersten Blick sah alles wie immer aus, aber dann sah sie die Beschwerung. »Diese kleinen Monster können auch nicht hören!«, brummelte sie vor sich hin. Sie konnte sich noch ganz genau erinnern, dass sie ihren Enkelkindern gesagt hatte, sie sollen die Spieluhr auf dem Schrank nicht anfassen. Das gute Stück stammte noch von ihrer Großmutter und gab schon lange keinen Ton mehr von sich. Wahrscheinlich war die Feder des Spielwerkes gebrochen. Aber weil die Truhe so schön war, hatte Maja es nicht übers Herz gebracht, das Teil zu entsorgen. Und so kam es, dass sie jedes Jahr zur Weihnachtszeit als Deko hervorgeholt wurde. Damit war es jetzt sicher vorbei, denn der hölzerne Korpus war in mehrere Teile zersprungen. Sicher hatte die Katze die Spieluhr versehentlich herunter geworfen, weil die Kinder sie zu nah an den Rand des Regals gestellt hatten, denn Lotti sah mit missbilligendem Blick auf das Debakel herab. Seufzend bückte sich Maja, um die kläglichen Reste aufzuheben. Plötzlich stutzte sie. Zwischen den Holzstückchen befand sich ein kleines, schwarzes Notizbuch. Sie griff danach und schlug es auf. Sie erkannte die Schrift ihrer Großmutter die Schrift etwas verblasst, aber trotzdem noch klar zu erkennen war. Die ersten Sätze bereiteten ihr Mühe, denn die Notizen waren in Sütterlin, der Schreibschrift, die man heute nicht mehr benutzte. Es dauerte eine Weile, bis sie sich an die einzelnen Buchstaben erinnerte. Großmutter hatte sich zu Lebzeiten geweigert anders zu schreiben und wenn sie damals für Maja eine Notiz hinterließ, was nicht selten geschah, so war diese gezwungen die ungewohnten Buchstaben zu entziffern. Je weiter Maja in dem gefundenen Buch kam, desto einfacher fiel ihr das Lesen. Zum Anfang hatten sich manche Worte nur aus dem Sinn erschlossen, doch bald war es so, als wäre sie nicht mit den Jahren aus der Übung gekommen.
Maja vergaß die kaputte Spieluhr, die Anstrengung der letzten Tage und saß auf dem Boden und las. Erst als ihr die Beine einschliefen, humpelte sie zu ihrem Lieblingssessel, um dort weiter zu lesen. Sie konnte es kaum fassen! Das Notizbuch ihrer Großmutter war ein kleines Wunder! Es enthielt Aufzeichnungen über ….

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Vorschau auf „Halbes Haus und ganzes Glück“

Wer mein Buch „Altes Haus und neues Glück“ gelesen hat, der kann sich vielleicht an Alexandras Freundin Katja erinnern. Mein aktuelles Roman-Projekt dreht sich nun um ihr Schicksal.

Wer neugierig darauf ist, der kann schon mal in ein Kapitel der Rohfassung hineinlesen:

6. Kapitel

Zuerst einmal passierte nichts. Katja hörte zwar an den Geräuschen von nebenan, dass die Wohnung nicht mehr leer stand, aber die befürchteten unschönen Szenen blieben aus. Trotzdem konnte sie sich nicht wirklich entspannen (anderes Wort?) und fühlte sich wie ein gespannter Bogen.
Allerdings fand sie es recht seltsam, dass der Maler scheinbar allein nach Kuhfahl gekommen war. Der dicke Mercedes stand jedenfalls nicht vor dem Haus. War die garstige Carsta allein nach Hamburg zurück. Es schien tatsächlich so zu sein, denn sie hörte zwar Musik und das Rücken von Stühlen und klappern von Türen, aber keine Gespräche. Das war wirklich eigenartig. Hatte der Typ denn nichts zu tun? Was war mit seiner Arbeit? Wenn sie Edelgard richtig verstanden hatte, dann war er selbstständig. Welcher Mensch konnte es sich leisten seine Firma eine Woche allein zu lassen und dafür in so einem Nest wie Kuhfahl Urlaub zu machen? Etwas anderes würde es ja nicht sein. Er ging höchstens mal zum Spazierengehen aus dem Haus. Ansonsten blieb er in der Wohnung und schien nichts zu machen. Katja hatte sich gedacht, dass er als Erstes Edelgards Einrichtung entsorgen und die Zimmer neu malern würde. Aber das hätte sie gehört. Obwohl sie die Tasse im Schrank ließ, war sie sicher, dass nebenan nicht renoviert wurde. Die Nachbarwohnung war gemütlich eingerichtet, hatte moderne Geräte und viele Bücher. Aber trotzdem! Edelgard war eine alte Frau gewesen, keinesfalls würde Carsta den gleichen Geschmack besitzen. So wie die sich immer aufführte, wäre das Beste vom besten gerade gut genug für sie. Vielleicht war sie in Hamburg und suchte nach neuen Einrichtungsgegenständen? Aber eigentlich war das halbe Haus viel zu kein für solche verwöhnten Ansprüche! Selbst das ganze Hüttchen würde ihr sicherlich nicht reichen! Die ganze Sache war von vorn bis hinten komisch! So sehr Katja auch überlegte, sie konnte sich keinen Reim darauf machen.
Ob sie es wollte oder nicht, morgens beim Aufstehen und abends beim Nachhausekommen lauschte sie ob sich nebenan etwas tun würde. Der Typ war ein echter Langschläfer. Wenn sie aus dem Haus ging, dann schien er noch fest zu schlafen. Das glich er am Abend dann reichlich aus. Sie lang schon lange im Bett, wenn sei durch die Wand noch immer leise Geräusche und sanfte Musik vernahm. Zum Glück stand er nicht auf Rapp und Hiphop. Beide Sachen waren Katja ein Graus. Die Töne von nebenan klangen irisch, verträumt und harmonisch. Das war genau das Richtige um sie sanft in den Schlaf zu wiegen. Schon nach wenigen Tagen hatte sie sich an diese Nachtmusik gewöhnt und war enttäuscht, wenn sie ausblieb.
Als sie sich eines Abends mit einem Buch auf der Bank hinter ihrem Haus gemütlich machte, hörte sie von nebenan sanftes Stimmengemurmel. Früher einmal war der kleine Garten hinter dem Haus von ihr und Edelgard gemeinsam genutzt worden. Beide Wohnungen hatten einen Hinterausgang der auf eine von Büschen und Blumen umsäumte Wiese führte. Eine der wenigen Veränderungen, die ihre neuen Nachbarn eingeführt hatten, war es, einen dieser hässlichen Trennwände aus dem Baumarkt aufzustellen. Damit war der Rasenplatz sozusagen in zwei Teile zerlegt. Katja tat sich anfangs schwer mit dieser Lösung, musste aber nach dem Zusammenstoß mit Carsta vor sich selbst zugeben, dass sie froh darüber war. Sie hatte absolut keine Lust, in ihrem wohlverdienten Feierabend, wie eine Zielscheibe für die übellaunige Nachbarin im Garten zu sitzen. Das Gemurmel, welches an ihr Ohr drang, war eindeutig männlich. Mit wem mochte der Nachbar wohl sprechen? Ob er telefonierte? Aber so klang es nicht. Dazu war die Tonlage viel zu sanft und leise. Während sie noch grübelte, mit wem er sich unterhielt, lies ein empörtes »Au« sie aufspringen. Im gleichen Moment schoss der Kater unter der Trennwand hindurch und der Kopf ihres Nachbarn erschien oberhalb des Zaunes. »Kleiner, schwarzer Teufel du!«, rief er dem Kater hinterher. Dabei klang er allerdings nicht verärgert, sonder eher belustigt.
Als er sich abwenden wollte, entdeckte er Katja, hinter der, der gescholtene Deckung suchte. »Guten Abend und Entschuldigung, ich wollte nicht stören.« Dann setzte er noch hinzu: »Der Frechdachs hat mich gekratzt. Erst lässt er sich von mir mit leckeren Sachen verwöhnen und dann zeigt er die Krallen! Ist das ihr Tier?«
Katja stand auf und trat etwas näher an den Sichtzaun heran. Im Sitzen zu antworten kam ihr reichlich blöd vor. »Das ist Scheißerchen. Der gehörte mal ihrer Tante Edelgard. Nach ihrem Tod hatte er niemanden, der sich um ihn kümmerte und so ist er bei mir gelandet.« Misstrauisch beäugte sie ihr gegenüber. Der würde doch den Kater nicht für sich beanspruchen? Sie hatte eine Menge Geld für das Tier ausgegeben und außerdem war es ihr echt ans Herz gewachsen. Kampflos würde sie Scheißerchen nicht den Nachbarn überlassen.
Nebenan schien man zu ahnen, was Katja dachte und der Mann hob beschwichtigend die Hände, ohne sich jedoch über den seltsamen Namen zu äußern. »Keine Sorge, ich erhebe keinen Anspruch auf den Schwarzen. Katzen sind sowieso ziemlich eigensinnig in der Wahl ihrer Menschen. Selbst wenn ich wollte, dass er bei mir wohnt, würde es nichts bringen, falls er anderer Meinung ist.« Der Nachbar schwieg und besah sich einen langen Kratzer am linken Arm, der zum Glück nicht stark blutete.
Katja entfuhr ein erschrockenes »Oh«. Da hatte Scheißerchen ja richtig zugelangt! »Es tut mir leid, was er ihnen angetan hat.«, schüttelte sie den Kopf. »So kenne ich ihn gar nicht.« Dann fiel ihr etwas ein: »Haben sie ihn etwa hochgehoben?« Als ihr Gegenüber nickte, war ihr klar, warum das Tier gekratzt hatte. »Scheißerchen ist vor kurzem ziemlich verletzt nach Hause gekommen. Ich musste mehrmals mit ihm nach Pritzwalk in die Tierklinik. Vielleicht hat er gedacht, wenn er hochgehoben wird, dann geht es nochmals los und er bekommt wieder so eine fürchterliche Spritze. Davor hat der alte Raufbold nämlich ziemliche Angst.«
»Ich auch«, grinste der Mann auf der anderen Seite des Zaunes und streckte ihr seine unverletzte rechte Hand entgegen. »Ich bin Georg. Wir hatten einen ziemlich miesen Start. Vielleicht sollten wir noch einmal ganz von vorn anfangen. So von Nachbar zu Nachbarin. Es sieht ja aus, als müssten wir es in der nächsten Zeit miteinander aushalten. Da ist es ganz gut, wenn man sich versteht.« Er grinste noch stärker. »Und so kann man sich auch mal ein Ei oder etwas Salz borgen.«
Irgendwie kommt er doch ganz symphytisch herüber, dachte sich Katja und schlug in die dargebotene Hand ein. »Ich bin Katja. Als Physiotherapeutin bin ich den ganzen Tag unterwegs. Das mit dem Salz und dem Ei klappt also nur am Abend«, grinste sie zurück.
Leider war damit das Gespräch schon zu Ende, denn Georgs Handy klingelte. Er zog es aus der Hosentasche und warf einen Blick darauf, während sich sein Gesicht verfinsterte. Mit einer bedauernden Handbewegung verabschiedete er sich und lief ins Haus, während er ziemlich unwirsch seinen Gesprächspartner begrüßte. Katja hätte zu gern gewusst, ob das die Carsta war. Als sie merkte, dass sie voller Neugierde über den Zaun starrte, musste sie über sich selber den Kopf schütteln. Dieser Georg nahm viel zu viel Raum in ihren Gedanken ein. Nur weil er nett zu Katzen war und einen Musikgeschmack hatte, der ihrem glich, war das noch lange kein Grant für eine gute Nachbarschaft. Und überhaupt, wer sein Leben mit so einer garstigen Frau teilt, bei dem sollte man lieber vorsichtig sein.
Später, als sie im Bett lag, wartete sie vergeblich auf die sanften Klänge der irischen Musik. Kein Ton klang durch die Wand. War Georg ausgegangen? Und wohin ging man denn an einem Abend in Kuhfahl? Hier gab es keine Kneipe und im Gemeindehaus war heute auch nichts los. Das hätte sie ja mitbekommen. In so einem Dorf blieb nicht verborgen. Manches dauerte ein bisschen länger, wie die Geschichte mit dem Bestsellerautor Veller Hunt zeigte, bei dem ihre Freundin Alexandra arbeitete. Aber irgendwann kam alles raus. Ohne sich einzugestehen, dass sie mehr als normal an ihrem Nachbarn interessiert war, schlief Katja ein. Im Traum war sie wieder am Königsgrab. Diesmal aber nicht mit Alexandra, sondern mit Georg und dem Kater. Während sie eine Decke ausbreitete und Schüsseln und Teller für ein Picknick ausbreitete, kam ein großer Kolkrabe herangehüpft. Genau so ein Tier hatte sie damals bei ihrem Ausflug beobachtet. Sie konnte sich noch gut an die klugen schwarzen Augen des Vogels erinnern. Doch dieser hier hatte rote Augen, die böse funkelten. Während der Rabe immer näher kam, schien er zu wachsen und sich zu verändern. Auf einmal war es gar kein Rabe mehr, sondern Carsta, die mit schriller Stimme etwas schrie.
Katja schrak mit klopfenden Herzen aus dem Schlaf und setzte sich im Bett auf. Der Carsta-Rabe war verschwunden. Aber die keifende Stimme blieb. Georgs Verlobte war gekommen.

Hier geht es zur Geschichte von Alexandra auf Amazon.
Nachzulesen in „Altes Haus und neues Glück“. (Gibt es auch auf Thalia, Weltbild und im Buchhandel.)

alteshaus

 

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Einen Scheiß muss ich – warum man nicht jeden Trend mitmachen muss

Das ist ein Beitrag zur Blog-Parade von Elke auf https://federfuehrend-media.de/
 

Ich habe mein erstes E-Book im Januar 2013 auf Amazon veröffentlicht. Seither sind etliche neue Exemplare dazugekommen. An jedem habe ich mindestens 9 bis 12 Monate gearbeitet. Eines davon hat über vier Jahre gebraucht, um fertig zu werden.

Inzwischen ist E-Book-Schreiben voll in Mode. Weil ich ja irgendwann in nächster Zeit auch mal vom Verkauf meiner literarischen Ergüsse leben will, habe ich mir also zig Seminare zum Thema E-Books geleistet.

Dabei bin ich immer wieder auf folgende Tipps gestoßen. Man soll sich ein Thema suchen, welches gerade im Trend ist. Das sehe ich ja ein noch ein. Ich habe selber einige Nischen-Sachen veröffentlicht, da ist es nicht einfach, Leser zu finden oder von den Lesern gefunden zu werden. Was mich aber total erstaunt, ist der Rat, sich einen Ghostwriter zu suchen, der »den Text schnell einmal runter schreibt«. Da werden Summen von 30 Euro genannt, mit denen man so einen Texter bezahlen könne. Ich habe selber etliche Jahre in diesem Job gearbeitet (und mache es manchmal noch). Das Minimum, das ich selbst als blutige Anfängerin für ein Wort erhalten habe, waren 2 Cent. Was ist denn das für eine Rechnung, die diese Typen bei ihrer Empfehlung da aufmachen? Um auf 30 Euro zu kommen, brauche ich in diesem Fall nur 1500 Worte zu schreiben! Das sind gerade mal drei Seiten. Was soll das für ein E-Book werden? Wir könnten jetzt mit dem Wortpreis herunter gehen. Das würde dann sicher auch mit der Qualität passieren, denn irgendwie muss sich das ja wohl die Waage halten. Wer will denn so arbeiten? Oder so arbeiten lassen? Einen Sch… muss ich?  Weder auf der einen noch auf der anderen Seite.

Aber das ist noch längst nicht alles, was mich an diesem aktuellen Trend stört. (Obwohl ich nicht einmal genau weiß, ob es ein wirklicher Trend ist, oder ob man es den Käufern dieser Online-Seminare nur einreden will.)

Wieso soll ich ein E-Book schreiben, wenn ich nichts zu sagen habe? Nennt mich altmodisch oder eine Spinnerin, wenn ich etwas zu Papier bringe, dann kommt das aus meinem Inneren (und muss da unbedingt raus). Sicher treffe ich nicht jedermanns Geschmack. Aber das ist dann halt so. Abnehmen und Sex sind im Moment die Themen, die wohl am besten »weggehen«. Ich habe nix dazu zu sagen, was mir unbedingt auf der Seele brennt. Also werde ich, einen Sch… tun und auch nichts dazu herausbringen.  (Es sein denn, jemand bezahlt mich so dermaßen gut, dass ich das ich alle moralischen Bedenken über Bord werfe.)

Und dann ist noch etwas. Wenn ich etwas veröffentliche, warum soll ich das nicht unter meinem Namen tun? Ich weiß nicht, ob das inzwischen auch von den E-Book-Gurus empfohlen wird, aber viele meiner »Kollegen« publizieren unter zig verschiedenen Pseudonymen. Wobei ich nichts gegen Pseudonyme sagen will. Wer bisher Ratgeber anbietet und dann einen Thriller herausgibt, der sollte sich darüber wohl doch Gedanken machen, um seine Leser nicht zu verschrecken. Aber ich habe festgestellt, dass etliche Leute recht ähnliche Bücher unter ganz unterschiedlichen Namen herausgeben. Diesen Trend kann ich absolut nicht nachvollziehen. Also werde ich einen Sch… tun und so nicht arbeiten.

Leider bin ich noch nicht am Ende. Jeden Monat ein neues E-Book herauszubringen ist slebst für Vielschreiber schon ziemlich ungewöhnlich. (Es sei denn, man macht eine öffentliche Challenge draus – das finde ich wieder bewundernswert.) Ich staune nur so, wer da was alles so in kürzester Zeit auf den Markt bringt. Masse statt Klasse heißt dieser Trend dann wohl. Für mich gilt auch in diesem Fall: Einen Sch… muss ich!

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Ich habe fertig!

Seit zwei Tagen kann man bei Amazon Else’s Kochbuch von 1929 erhalten. Da bin ich ganz stolz drauf, denn die Vorlage sah so aus:

Nun kann ich mich wieder anderen Projekten widmen.

Genug Ideen hab ich ja!

Als nächste Aufgaben stehen an:

 Na dann mal los!

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Aktuelles aus der Sachbuch-Werkstatt

Im Moment arbeite ich gerade an zwei verschiedenen Sachbüchern.

Arbeitstitel1 : Geomantie

Arbeitstitel 2: Kochen & Backen um 1929 – „Übersetzung“ der handschriftlichen Aufzeichnung meiner Großmutter

zu 1.
Die Idee ein Buch über Geomantie für Einsteiger zu schreiben, trage ich schon lange mit mir herum. Es geht mir dabei darum, die Neugier für dieses spannende Thema zu wecken, ohne gleich zu tief in die Materie einzusteigen. Meine Erläuterungen sollen Lust auf mehr machen und dabei schon ein gewisses Verständnis für die Sache an sich, vermitteln.
Das Projekt „Page you – Das Livewriting-Studio“ von Katja Glöcker war der Stein des Anstoßes, der mich mit dieser Arbeit beginnen lies.
Seit dem vorigen Jahr erscheint jeden Freitag ein neues Kapitel auf https://lifeschreiben.wordpress.com/

zu 2. 
Im Nachlass meiner Großmutter, die wir alle nur Omi Puppe nannten, fanden sich handgeschriebene Aufzeichnungen über Koch- und Backrezepte. Im Jahre 1929 verwendete man recht gediegene Zutaten, die sich auch heute noch in jeder Küche anfinden. Es wäre doch wirklich schade, wenn diese Rezepte verloren gehen würden.
Allerdings dauert es so seine Zeit, bis ich alles „eingetippt“ habe. Die ganzen Anleitungen sind nämlich in Sütterlin geschrieben. Und das ist alles andere als leicht zu lesen.

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Post aus dem Kindergarten

Ich habe mein E-Book „Das Märchen von Marie, die Zaubern lernen wollte“
einer Kindergartengruppe zum „Testlesen“ geschickt. Hier kommt das Feedback:

Junge: 5 Jahre „Das ist die Hexe und die Fee und Marie.“

Junge: 5 Jahre „Das ist die Fee und die Marie und die Hexe.“

Junge: 5 Jahre „Das ist die Fee und das ist das Hexenhaus

Junge: 5 Jahre 🙂 ohne Kommentar des Kindes

Junge: 5 Jahre „Das ist das Haus von der Hexe und da ist die Hexe und die Sonne.“


Junge: 5 Jahre „Das ist Marie und da ist die Hexe und das Hexenhaus.“

Junge: 5 Jahre „Das ist Marie und da ist die Hexe und die Fee.“

Junge: 5 Jahre „Das ist die Hexe und daneben ist Marie und auch das Hexenhaus.“

Junge: 6 Jahre „Das ist die Hexe und die hat die Schere in der Hand und schneidet der Marie die Haare ab.“

Junge: 6 Jahre „Das ist die Hexe und die Fee.“

Mädchen: 5 Jahre „Das ist Marie.“

Mädchen: 5 Jahre „Das ist die Hexe und die Marie und die wohnen im Haus.“

Mädchen: 5 Jahre „Das ist die Hexe und die Fee und das Hexenhaus.“

Mädchen: 5 Jahre „Das ist das Haus und der Rauch und alle wohnen dort drin.“

Mädchen: 5 Jahre „Die böse Hexe ist in dem Haus und die Marie klopft an der Tür.“

Mädchen: 5 Jahre „Das ist die Fee und die Hexe und das Haus.“

Mädchen: 6 Jahre „Hier ist das Hexenhaus und da ist Marie und das Haus von Marie.“
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31 kleine Übungen für den Schulter- und Nackenbereich

31 kleine Übungen für den Schulter- und Nackenbereich: die man nahezu überall durchführen kann

Kopfschmerzen durch einen verspannten Nacken?

Wenn Sie dieses Buch durchblättern, dann brauchen Sie nie wieder zu überlegen, mit welchen Übungen Sie Ihre Verspannungen im Schulter- und Nackenbereich beheben können. Hier finden Sie 31 kleine Übungen, die man problemlos im Büro und auch zuhause durchführen kann. Nur machen müsste man sie noch selbst.
Auflage 2 mit Code für PDF zum Ausdrucken.


 
Erhältlich auf Amazon für 2,99 €

Ausschnitt aus einer Amazon-Kundenbewertung:  
„Ein sehr praktischer und nützlicher Ratgeber und die Übungsanleitungen sind sehr gut nachvollziehbar!
Was ich als besonders schönen Service der wirklich netten Frau Wried empfinde, ist, dass sie zum Ende des Buches einen Code angibt, mit dem man die Anleitungen auch als PDF zum ausdrucken per Email zugesendet bekommt.“